structure by nature

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Das wunderbare an der freiberuflichen Tätigkeit ist, nach durchgearbeitetem Wochenende seinen freien Tag auf einen sonnigen Montag zu legen. Herrlich! Während ein Großteil der Bevölkerung sich wieder ins Büro geschleppt hat, mit dieser Schwere zu wissen, dass erneut 5 Tage bis zum nächsten Wochenende vor einem liegen, haben der Mann von der Frau von der Stadtbude und ich den sonnigen Tag genutzt um uns auf’s Bike zu schwingen und endlich mal wieder die Singletrails unseres Homespots zu rocken.

Das Ende der Bikepark-Saison hatten wir noch einmal ausgiebig genutzt und uns bis Anfang November in diversen Parks rumgetrieben. Anschließend ließ uns die Arbeit wenig Zeit zum biken. So war es also mittlerweile mehr als vier Wochen her, dass wir das letzte Mal über unsere Trails pesten. Und seit dem hat sich wirklich einiges getan hier!

Nirgendwo werden der Lauf der Zeit und die damit verbundenen Änderungen der Natur deutlicher spürbar als in bekanntem Terrain. Dort, wo man quasi jeden Strauch kennt wie seine Westentasche. Jedesmal ist man schwer beeindruckt von diesem stetigen Wandel, dieser immer wieder wechselnden Szenerie und den dadurch entstehenden neuen Stimmungen. Waren es im Oktober noch goldene Wälder, so waren gestern die Trails unter einer gleichmäßigen, dichten, braunen Laubschicht versteckt. Der würzige Geruch von gefallenem Laub, die durch die nackten Stämme glitzernde Sonne, die Vorahnung von Winter. Und man selbst wieder mitten drin – ganz klein, aber sehr lebendig.

Mein absolter Höhepunkt gestern waren die Stapel von Baumstämmen, die seit Monaten am Wegesrand lagern. Auch sie haben mit der Zeit ihr Aussehen stark verändert. Witterung, Pilze, Moos und andere Geflechte haben ihre Spuren hinterlassen – und diese sind wirklich beeindruckend schön! Großartige Strukturen, die durch den Kontrast der bunten Markierungen der Forstarbeiter eine zusätzlich tolle Spannung erhalten ! Hier wird jedes noch so tolle Kunstwerk mit einem müden Lächeln durch Mutter Natur auf die Strafbank verwiesen! Es lebe das Leben!

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Vertraute Tristesse – Jeff Wall in der Pinakothek der Moderne

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A fight on the sidewalk – 1994

Bereits letzten Mittwoch war die Vernissage zur Ausstellung von Jeff Wall. Ein Teil seiner Werke – größtenteils jene, die bei Münchener Sammlern ein Zuhause gefunden haben – sind noch bis 9. März 2014 in der Pinakothek der Moderne Münche  zu besichtigen.

Auch wenn bereits einige Tage ins Land gestrichen sind, will ich es nicht versäumen ein paar Bilder und Eindrücke nachzureichen und auf die Ausstellung hinzuweisen. Denn es lohnt sich.

Jeff Wall ist ein ruhiger, unaufgeregter Typ. Und gerade durch diese Art auch sehr sympathisch. Während Kuratoren und Förderer Eröffnungsreden hielten, die – wie so oft – mit ein paar ausgetauschten Passagen auch für die Diplomfeier oder das 60igste Betriebsjubiläum herhalten könnten (und demzufolge eher inhaltsleer und unpersönlich klangen), begnügte sich Wall selbst mit zwei, drei kurzen netten Sätzen. Sehr angenehm!

Ähnlich sind auch seine ausgestellten Werke. Kein großes Theater, kein riesen Drama. Oft fast banal. Und doch irgendwie packt es dich! Tief innen. Weil das Gefühl so vertraut ist. Und sofort greifbar beim Blick auf die Lichtboxen. Fast springt es einem entgegen. Nicht mahnend, nicht fordernd, nicht animierend. Aber irgendwie brutal. Weil man es doch einfach so gut kennt. Diese zäh verrinnende Zeit, dieser trostlose Gang, diese Gleichgültigkeit. Und irgendwie wäre es auch belanglos und nicht erwähnenswert, würde nicht gleichzeitig dieses unbändige Tier knurrend an der Kette zerren – diese Sehnsucht nach Veränderung und Erlösung.

Jeff Wall – Pinakothek der Moderne München, noch bis 09.03.2014

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A Villager from Aricaköyu arriving in Mehmutbey – 1997

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The Eviction – 1988

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Cyclist – 1996

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Jell-O – 1995

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The Thinker – 1986

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Restoration – 1993

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The Smoker – 1986

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Some beans – 1990

Where they create

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Heute bin ich irgendwie etwas lahm in der Birne. Die Sonne blitzelt draussen auf der Dachterrasse und durch die offene Tür dringen das Rattern der S-Bahn und Stimmengewirr. Aber in meinem Kopf irgendwie gerade Leere. Heute ist wohl nichts mit kreativ sein! Aber es gibt ja leider auch andere Aufgaben zu erledigen, die sich auf nackte Zahlen und Fakten beschränken.

Vorher tut es aber ganz gut noch ein bisschen durch wheretheycreate.com zu klicken und sich vom Chaos fremder Schreibtische inspirieren zu lassen! Paul Barbera hat die Arbeitsstätten seiner Bekannten genauer unter die Linse genommen und dabei sind ein paar tolle Bilder bei raus gekommen.

Kreatives Chaos! Unbedingt ansehen. Hier ein kleiner Auszug und noch viel mehr findet ihr unter http://www.wheretheycreate.com:

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Fotos: Paul Barbera http://www.wheretheycreate.com

Sommer.pause!!!

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Sooooo, es ist so weit!  Yippi-yeaaaahhhhh…! Eine Woche Ferien!  Die stadt.bude macht die Rolläden zu und fährt in die Heimat. :-)

Daher wird der MMMH in dieser wie auch in der nächsten Woche entfallen! Zur Abwechslung gibt es in dieser Zeit die ein oder andere Inspiration aus Berlin.

Für alle, die mal ein paar Tage blau machen: Genießt die Ferien und habt eine super-schöne, spannende Zeit!

Anderthalb Quadratmeter „Betreten verboten!“

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Brutzelnd, schwitzend, dösend machen wir uns in dieser Jahreszeit wieder auf den grünen Streifen um Badesee und Freibad breit. Was in den vorherigen Monaten zum Teil noch unangetasteter Natur gleich kam, wird nun innerhalb von Sekunden anhand von Handtüchern, Decken und Sonnenschirmen als zivilisierter Raum markiert. „My Badedecke is my castle!“

Öffentlicher Raum wird sich ungeniert einverleibt und zumindest für die anderthalb Quadratmeter Badedecke gilt: „Privatgrundstück“. Meist mit scharfem Zusatz: „Zutritt verboten!“ Die ein Hektar große Fläche der öffentlichen Liegewiese wird schnell zu einem Patchwork-Teppich hunderter privater Hoheitsgebiete. Und meist ist weitläufiges Umschiffen schwierig! Auf der Suche nach dem letzten freien Plätzchen schlängelt man sich durch zwischen all den böse blickenden Augenpaaren, die einem lautlos entgegen zischen. „Nicht hier her! Der verbleibende Raum gehört uns!“

Es macht mir selbst prinzipiell nichts aus, wenn ab und an mal ein Volleyball über meine Leselektüre rollt oder die Wassertropfen der vorbei sprintenden Kinder auf meinen Rücken spritzen. Zugegeben ich schrecke da zusammen, aber es ist okay. Aber auf Deckenanordnung Prinzip „Reihenhaus“ stehe auch ich so gar nicht. Wenn der wildfremde Deckennachbar fast Kante an Kante liegt, dann ist mir das zu viel, da brauche ich meine Privatsphäre. Fehlende Nähe versucht man oftmals noch zurück zu erlangen, in dem man bäuchlings liegend den Kopf fest zwischen seine Arme presst und denkt „Ich sehe euch nicht, also seht ihr mich gefälligst auch nicht“. Nur noch die heiße Sonne auf der Haut und die grellen Stimmen der restlichen Meute im Ohr. Aber allein und weit weg auf seiner Badematte. Wie ein einsames kleines Boot auf großer See.

Das Volk der Badegäste ist in drei Typen zu unterteilen, die Aufschluss über ihr Sozialverhalten geben. Typ 1, „Nur ich und mein Handtuch“. Keine Decke, kein Picknick-Korb, nur ein Handtuch und kurz reinspringen. Vielleicht noch anschließend 10 Minuten sitzend im Gras und dann wieder ab nach Hause. Typ 1 ist praktisch veranlagt, unaufgeregt bis langweilig. Kein Interesse am Klatsch und Tratsch der Nachbardecken. Typ 2, „Decke, Handtuch und eine Flasche Wasser“. Zweimal rein ins Wasser, zwischen drin bisschen lesen und vielleicht mal etwas mit dem Nachbarn plaudern. Typ 2 ist generell aufgeschlossen, doch tolerant gegenüber der „Rück-mir-bloss-nicht-auf-die-Pelle-Einstellung“ des Deckennachbars. Typ 3, „Windschutz, Sonnensegel, Minikühlschrank“. Sie kommen halb neun und gehen pünktlich zum Beginn der Tagesschau. Aus Utensilien des halben Hausstandes bauen sie sich Burgen, die unüberwindbar scheinen. Privatsphäre wird hier sehr groß geschrieben, man will seine Ruhe! Bitte nicht stören! Um diese Inseln inmitten der Badewiese schlägt man unweigerlich einen größeren Bogen, da man unbewusst immer befürchtet ein scharfer Hund könnte zwischen vertikal aufgestellten Luftmatratzen und Sonnensegel hervor preschen, weil man Sicherheitsabstand und das Schild „Hier wache ich!“ ignoriert hat.

Trotz allem sei gesagt, gerade auf der Badewiese gilt „all men are equal!“. Wie auch immer die Strandburg aussehen mag, hier sind wir alle gleich. Egal welches teuere Bikinihöschen ziert und welches flauschige Designer-Label den Körper trocknet. In der gleißenden Sonne, in fast voller Blösse und Nüchternheit zwischen viel zu vielen Menschen, sind wir irgendwie alle gleich.