Eiskalt abserviert

abserviert

In diesem Jahr können wir nun wahrlich nicht behaupten, wir hätten einen bitterkalten, schneereichen und entbehrungsvollen Winter überstehen  müssen, um uns nun, langsam und gemächlich, wieder aus unseren Höhlen zu schaufeln und der Sonne entgegen strecken zu können. Seit Wochen schönstes Vorfrühlingswetter! Die Schneeglöckchen und Krokusse machen den Tulpenspitzen Platz und die Obstbäume stehen  seit dieser Woche teilweise schon in schönster, süsser Blüte. Und das, obwohl doch gerade erst Frühlingsanfang ist. Neue Kraft, neues Leben, frischer Wind! Wieder raus an die Luft, durchatmen und frei machen!

Das habe ich dann gestern auch gedacht, als ich bepackt mit neuem Frühlingsschuhwerk nach Hause kam. Mein Schuhschrank  stand kurz vor dem Kollaps und ich schleppte mehrere Paar Nachschub an. (Auf die Erwähnung der tatsächlichen Anzahl wird verzichtet, um dem bereits überstrapazierten Klischee des schuh-geilen Frauenbildes nicht weiter entgegenzukommen)

Noch hoch motiviert und gut gelaunt durch Shopping-Ausbeute und Sonnenschein wurde kurz entschlossen entschieden: „Ausmisten!“ Derartigen Gedankenblitzen muss man wirklich schnell nachgehen und diese in die Tat umsetzen, bevor eine schöne heiße Tasse Kaffee und eine halbe Stunde auf dem Sofa dem Vorhaben den eiskalten Todesstoß versetzen! Oft erlebt, sehr oft! Dabei gibt es so viele gute Gründe, sich dem klassischen Frühjahrsputz hinzugeben! Mittlerweile fällt es mir auch nicht mehr so schwer auch alten Freunden „Lebe wohl!“ zu sagen. Denn ich mag diese befreiende Wirkung und Leichtigkeit danach. Ausmisten macht einfach glücklich! Das ist wissenschaftlich sogar erwiesen. Man macht sich frei vom alten Mief und ist wieder offen für neues. Und ich glaube auch an die wohltuende und befriedigende Wirkung körperlicher Arbeit. Und das ist Ausmisten ja definitiv.

Meine 10 Tipps für den Frühjahrsputz:

1) Nicht lange überlegen und aufschieben, sondern ab ans Werk! Anschließend ist man zwar erschöpft, aber glücklich.

2) Wenn’s mal wieder länger dauert…, dann kleine Schritte machen. Alles auf einmal geht selten und artet auch schnell in schlechter Laune aus. Lieber heute nur den Schuhschrank, morgen das Gewürzregal und nächste Woche der Schreibtisch. Und mit jedem kleinen Schritt fühlt man sich freier.

3) Hinterfragen, was brauche ich wirklich, was liegt mir am Herzen und was kann einfach weg. Wir ersticken teilweise in unserem Krempel. Also rigoros aussortieren und freimachen! Klamotten von vor 15 Jahren, die man „vielleicht noch mal anziehen wollte“, sind unnötige Platzfresser und mit größter Wahrscheinlichkeit auch auf der Straße nicht mehr tragbar.

4) Wenn die Entscheidung doch mal schwer fällt, dann raus aus dem Schrank und ab in die „Letzte-Chance-Kiste“. Das ist wie bei GNTM mit den Wacklern, am Ende müssen sie sich noch mal präsentieren und einer oder zwei dürfen weiter. Der Rest muss gehen. „Ich habe heute leider keinen Kleiderbügel für Dich!“

5) Generell gibt es eine Faustregel: Alles, was ich in den letzten 12 Monaten nicht benutzt habe, das brauche ich auch nicht. Also weg damit! Verkaufen, verschenken oder,  wenn für andere nicht mehr nutzbar, ab auf den Müll. Aber oftmals gibt es noch jemanden, dem man damit eine Freunde machen kann. Also ruhig mal großzügig verschenken und dadurch eine übersichtliche Wohnung und neue Freunde gewinnen. Wer richtig radikal aussortiert, kann unter Umständen zukünftig auf einen Schrank verzichten und schafft dadurch gleich noch mehr Raum in der Bude. Es sportlich nehmen, sich selbst herausfordern und einfach ausprobieren!

6) Weniger ist mehr! Bei der Wahl von Klamotten und Einrichtung lieber auf Qualität setzen und den billigen Ramsch aussortieren. Das hilft auch, um sich der Wertigkeit der Dinge wieder bewußt zu werden, sie zu schätzen und zu pflegen. Für Überflüssiges ist das Geld zu schade und man häuft nicht so schnell unnötiges Zeugs an. Und ganz ehrlich, mittlerweile hat unser Konsumwahn oftmals mehr als beängstigende Ausmaße angenommen. Ein Frühjahrsputz ist auch immer eine gute Möglichkeit, wieder mehr zu sich zu finden und auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Und sich böse vor Augen zu halten, wie viel Kohle man doch wieder für unnützen Krempel ausgegeben hat.

7) Ein gutes Ordnungssystem erleichtert einiges, spart lästiges Suchen und macht den Kopf frei. Also nicht alles wahllos in die Schränke stellen, sondern mit etwas System sortieren. Das gilt für jegliche Bereiche, egal ob Küche, Bad, Arbeitszimmer oder Kleiderschrank. Dinge, die alltäglich genutzt oder getragen werden, werden schnell erreichbar angeordnet und eventuell saisonal sortiert. Zeugs, das ich nur alle paar Monate in die Hand nehme, kann auch etwas umständlicher verstaut sein. Auch sollten Dinge thematisch sortiert werden, so dass alles seinen festen Platz hat.

8) Gründlich klar Schiff machen! Wenn also der Schrank entrümpelt werden soll, dann wird auch alles ausgeräumt, ausgewischt und dann gründlich aussortiert. Nur von einer Ecke in die nächste schieben ist unsinnig und vergeudete Zeit. Und freier fühlt man sich anschliessend auch nicht.

9) Ruhig in neue, hochwertige Ordnunghelfer investieren und damit der Wohnung einen frischen Look geben und sich selbst hinterhältig zu mehr Spaß an Orndung erziehen. Hübsche Boxen, Kästen und Körbe können Wohn-Accessoires und nützliche Helferlein zugleich sein.

10) Ein frisches, neues Styling für die Bude hat gleich mehrere positive Wirkungen. Man kann sich mal wieder austoben, neue Trends und Farben ausprobieren und ist gleichzeitig gezwungen alte Dinge auszusortieren. Darüber hinaus fällt das Aussortieren weniger schwer, weil man einfach schon so voller Vorfreude auf das neue Zuhause ist, dass es sogar Spaß macht alles mal auf Links zu drehen. Eine neue Umgebung wirkt inspirierend, motivierend und macht Lust auf die Zukunft.

Wenn das also mal keine guten Aussichten sind! Also ab ans Werk und sich frei machen für einen wunderbaren Frühling! Das schlechte Wetter an diesem Sonntag bietet die perfekte Gelegenheit!

setzen, stellen, legen… – Monday Makes My Home! Lektion 4

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Eines der großen Probleme in kleinen Wohnungen ist der Stauraum. Egal wie man ausmistet und reduziert, Snowboard, Besen und (manchmal) auch Bügelbrett bleiben über. Blöd! Dabei nutze ich das Bügelbrett vielleicht dreimal im Jahr, nur vor wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten und wichtigen Terminen. Ansonsten muss das auch so gehen. (In diesem Moment kommt mir die zündende Idee! Wieso denn nur Car-Sharing, kann man sich denn nicht auch so ein Brett ausleihen?) Gut, ich schweife ab! Worauf ich hinaus will: Das Ding steht rum. Genauso wie die alte CD-Sammlung, die vor 10 Jahren durch MP3 ersetzt wurde, Fotoalben und Wanderausrüstung.

Mehr Platz muss her! Habe ich tote Winkel, die ich sinnvoll nutzen kann?

Also bitte mal genaustens die Wohnung abscanen! Jede Ecke und jede Nische, alles kann genutzt werden. Doch wir brauchen ein bisschen System, um eine gewisse Großzügigkeit der Räume zu erhalten.

Hinter Installationsschächten oder Türen verbirgt sich oftmals noch eine kleine Ecke, die komplett ungenutzt ist und auch baulich eher unruhig wirkt. Diese kann einfach geschlossen werden, indem bündig mit dem Wandvorsprung Regale angeordnet werden oder die Nische gleich komplett mit einem Einbau geschlossen wird. Ohne das Raumgefüge zu stören – im Gegenteil, oftmals wird dadurch erst eine klarere Raumgeometrie hergestellt – haben wir zusätzlichen Stauraum gewonnen. Das selbige gilt für Dachschrägen oder unterhalb von Treppen –  sofern vorhanden. Auch hier kann anständig Stellfläche gewonnen werden, wenn Regale oder Einbauten sinnvoll angeordnet werden.

Oder wie wäre es mal mit dem Bereich oberhalb der Türen? Eine Anordnung eines Regals, welches hier über die gesamte Wandbreite führt, wirkt wenig unruhig und kann Unmenge an Stauraum schaffen. Für Urlaubsandenken, Bücher und Omas alte Vase. Allerdings würde ich mich auf eine Wand je Raum beschränken, da sonst eine gewisse Enge entstehen kann.

Falls man das Glück hat, doch über einen großzügigen Raum zu verfügen, der auch ein bisschen Zonierung verträgt, kann hier ein Regalsystem als Raumteiler zum Einsatz kommen. Auch wenn dieser mit Inhalt gefüllt wird, bleibt eine gewisse Weite und Leichtigkeit erhalten, da der große Raum weiterhin erkennbar bleibt. Und trotzdem hat man die Möglichkeit durch diese räumliche Abgrenzung kleine Bereiche unterschiedlichen Charakters zu schaffen.

Auch Laibungsnischen unterhalb von Fenstern bietet Stauraum, indem man hier zum Beispiel große Kisten oder Sideboards positioniert, die den Raum optisch nicht einengen. So lange das Auge noch frei schweifen kann und nicht jede Wandfläche komplett zugestellt wurde, fühlen wir uns wohl. Daher also auf wuchtige Elemente verzichten und mit den Höhen spielen. Wenn doch unbedingt eine hohe Möblierung oder Einbauten sein müssen, dann sollten diese gleich über die gesamte Wandhöhe reichen und direkt unterhalb der Decke abschließen, damit wieder eine optische Ruhe hergestellt werden kann.

Natürlich könnte man, ganz theoretisch gesehen, seinen Krempel in Kisten oder lose auch einfach in diese Ecken schieben, ohne extra Regale oder Einbauten hierfür vorzusehen. Aber nein! Denn jegliche Ordnung geht hierbei verloren und die Bude wirkt sofort unordentlich und unnötig klein. Also, bitte alles an seinen festen Platz! Regale, Schränke, Einbauten und Rollcontainer geben dem Stauraum eine räumliche Abgrenzung und der Wohnung eine feste Struktur.

Ausserdem muss nicht alles offen präsentiert werden. Abgeranzte Besitztümer, die nur wegen ihres sehr persönlichen Erinnerungswerts vorm Mülleimer bewahrt wurden, und allerlei Krimskrams können schön gesammelt in Kisten, Boxen und Dosen aufbewahrt werden. Das hat nicht nur den Vorteil, dass wieder etwas Klarheit und Ordnung geschaffen werden kann, sondern auch gestalterisch können hiermit einige Akzente gesetzt werden. Und das macht Spaß! Wisst ihr doch! Oder warum sonst hält sich jeder Ikea-Besucher, der gerade nicht im Restaurant sitzt, in dieser Kisten-Vasen-Bilderrahmen-Abteilung im EG auf?

Supersize me! – Monday Makes My Home! Lektion 3

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So, jetzt aber mal Schluss mit Faulenzen und ran an die Kartoffeln! Es geht endlich weiter mit dem MMMH – Ende der Sommerpause! :)

Lektion #3 zeigt euch, wie aus wenig Kubikmetern optisch viel mehr entstehen kann. Supersize me!

1) Ordnung ist das halbe Leben!

Mhhh, doch! Es tut mir leid! Aber da kommen wir jetzt nicht drum rum, um diesen oberschlauen Spruch! Auch wenn das gerade zum Artikelanfang etwas abschreckend wirkt, es muss sein! Ich kann das nicht an den Schluss verbannen, denn für unsere kleine Hütte ist gerade dieser Leitsatz das wichtigste überhaupt! Ordnung!

Eine übersichtliche, aufgeräumte Wohnung wirkt wesentlich großzügiger und luftiger als eine zugemüllte Höhle. Dass nur das Genie das Chaos beherrscht mag auf andere Bereiche des Lebens zutreffen, nicht aber auf häusliche Ordnung! Sorry für all jene, die diesen Spruch gern als Rechtfertigung hernahmen. Ich denke sogar, dass das Genie die Ordnung liebt und in Unordnung gar nicht Raum findet, seinen genialen Gedanken nachzugehen. Weil sie sich eingesperrt vorkommen und andauernd abgelenkt werden. Ordnung tut gut! Nicht nur für die Raumwirkung, sondern auch für die Seele! Auch wenn sich das nach spirituellem Geschwätz anhören mag.

Es führt also kein Weg daran vorbei – aufräumen! Die Oster- und Geburtstagsgrüße von vor acht Jahren gehören also entweder ins Altpapier oder in eine extra dafür vorgesehene Kiste. Das selbe gilt für Bordkarten der Weltreise und alte Konzertkarten, sollte man sich partout nicht trennen können. Noch besser ist natürlich immer wegschmeißen, denn die wirklichen Erinnerungen trägt man schließlich im Herzen. Das ist viel wertvoller als sentimentales Sammeln. Gnadenloses wegschmeißen schafft Platz und Größe. Wir sollten lernen uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und unnützes Zeugs aus Wohnung und Leben verbannen. Uns endlich mal wieder frei machen. Heutzutage, wo alles und jeder zu jeder Zeit verfügbar ist, bleibt uns doch fast die Luft weg von all dem Zeugs, dass wir in jeder Hinsicht konsumieren.

2) Mehr Beinfreiheit!

Eine klobige Schrankwand und ein Sofa à la Wetten-Dass sind zu viel für kleine Räume. Wähle deine Möbel bewusst nach deinen Räumlichkeiten aus. Sideboards und Regale machen optisch größer, da sie den Blick auf die Wand nicht komplett verstellen und nicht über eine so große Höhe verfügen. Generell sind „schwere“ Möbel ungeeignet für kleine Räume, Möbel die „Luft lassen“ jedoch optimal. Sofa und Sessel mit „Beinfreiheit“, deren Füsse man sieht und die dadurch den Blick auf den Boden frei geben, wirken wesentlich leichter. Das selbe gilt für Sideboards und Schränke, die nicht bis zum Boden reichen, sondern an Wänden befestigt sind oder auf schmalen Füssen oder Rollen stehen. Also bei den Möbeln im wahrsten Sinne des Wortes „Raum lassen“!

Einrichtungsgegenstände sollten locker miteinander kombiniert werden, auch das gibt ihnen Leichtigkeit und dem Raum Weite. Oftmals bietet es sich an, Möbel wie Couchtisch und Hocker auf Rollen zu verwenden. Der Raum bleibt flexibel und kann so schnell auf Nutzungsänderungen reagieren.

3) Zimmer mit Ausblick!

Ein sehr wichtiger – und leider oft missachteter Punkt – ist der Bezug zur Aussenwelt. Fenster und Öffnungen bringen nicht nur Licht ins Dunkel, sondern sorgen auch auf Grund neuer Blickachsen für Weite. Durch die Erweiterung in den Aussenraum kann ein kleines Zimmerchen schnell sehr großzügig und frei wirken. Desto größer die Öffnung, desto besser. Alles, was diese optische Erweiterung wiederum einengt, sollte von Fenster und Fensterbrett verbannt werden. Das betrifft ganze Wälder an Topfpflanzen wie auch die bodenlange Gardine mit Blümchen-Stickerei. Wer ohne Gummibaum und Alpenveilchen nicht leben kann, findet andere Bereiche (auch in Fensternähe) für das Grün. Wer ab und an mehr Privatsphäre wünscht, kann sich mit langen weißen Vorhängen oder schlichten Rollos vor den Blicken der Nachbarn schützen. Aber auch hier sollte auf wilde Muster und dunkle Farben verzichtet werden, damit der Raum großzügig wirkt.

Wie bereits in Lektion #2 angesprochen, schaffen Blickachsen jeder Art Weite und lassen die Räume größer erscheinen, als sie sind. Also, ruhig mal ein Türblatt aushängen und Verbindungen zwischen den Räumlichkeiten herstellen.

4) Es werde Licht!

Lichtdurchflutete 20 Quadratmeter können schnell doppelt so gross wirken wie ein ebenso großes dunkles Loch! Viel Tageslicht ist nicht nur gut für unser Wohlbefinden, auch für die Raumwirkung. Doch gerade in eng bebauten Strassenschluchten ist die Lichtausbeute für den Innenraum nicht immer großzügig. Zusätzliche künstliche Lichtquellen sind also ein Muss. Generell sollte jede Ecke eines Raumes ausreichend ausgeleuchtet sein, damit der Raum an Größe gewinnt. Dunkle Ecken fallen schnell aus dem optischen Wahrnehmungsfeld heraus und lassen Räume kleiner wirken als sie tatsächlich sind. Also nicht nur eine Pendelleuchte mittig der Decke anordnen, sondern auch in den Ecken kleine Lichtquellen, wie Stehleuchte oder Strahler platzieren. Diese können zusätzlich wunderbar Akzente setzen.

Positiv sind auch lichtreflektierende Oberflächen. Große Spiegel richtig platziert erweitern Räume um einiges. Glänzende, helle Oberflächen werfen Licht zurück. Im Gegenzug absorbieren raue, dunkle Oberflächen das Licht und wirken sich eher negativ aus. Trotz allem können sie richtig eingesetzt für die nötigen Kontraste sorgen. Weiß in weiß gehaltene Räume können sich bei Übertreibung  quasi auflösen. Klar definierte Grenzen tun dem Auge gut. Dunkle Böden oder Wände zu weißen Möbeln sind also kein Problem und können das nötige Gleichgewicht schaffen.

5) Perfect Colour

Womit wir auch schon beim Thema Farbwahl wären. Es ist ja bekannt, dass helle Farben Licht reflektieren und dunkle Licht schlucken. Wichtig ist darüber hinaus, ob es sich um eher warme oder kalte Farben handelt. In hellen Zimmern mit Sonneneinstrahlung wirken auch kühle Farben wunderbar, wogegen sie in Zimmern mit wenig Sonneneinfall, wie zum Beispiel nach Norden orientiert, für eine frostige Atmosphäre sorgen werden. Also sollte bei der Wahl der Farbe nicht nur auf die Helligkeit, sondern auch auf die Wärme bzw. Kälte des Farbtons geachtet werden.

Ausserdem können durch den gezielten Einsatz von Farben an bestimmten Flächen optische Effekte erreicht werden. Eine tiefe Decke kann, indem die Wände bereits unterhalb der Decke heller und Deckenton von der restlichen Wandfarbe abgesetzt werden, optisch erhöht werden. Im Gegenzug wirken dunkle Decken drückend und können eine Höhe optisch stark verringern. Ebenso wirkt ein Raum, dessen Wände komplett dunkel gestrichen sind, wesentlich kleiner und kann – vor allem beim Einsatz dunkler Möbel – geradezu erdrückend wirken.

Da die Themen „Farben“ und „Licht“ jeweils sehr komplex sind, wird ihnen wohl noch ein eigener MMMH gewidmet werden. Dazu dann aber ein andermal.

Eine schöne Woche!

Gefährliche Grauzone

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Meine Entrümpelungsaktionen schleppen sich zäh. Aber ich bleibe dran, habe ich doch beschlossen für Ordnung in meinem Leben und in meinen eigenen vier Wänden zu sorgen. Wer jetzt allerdings meint, das Aussortieren von 20 Jahre alten Schulbüchern, altmodischen Schlittschuhen und Elektroschrott („Ähhh, stimmt ja! Das Handy hatte ich ja auch mal“) haben eine allein klärende Wirkung, der irrt!

In dem Moment, wo Wohnung und Keller auf links gedreht werden, müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Ich teile meinen Besitz dann in drei Kategorien: „Auf keinen Fall wegwerfen! Unbedingt behalten!“ Sollten sich Gegenstände dieser Kategorie im Keller befinden, denke ich schlagartig darüber nach, ob sie es nicht gar verdient hätten wieder nach oben in die Wohnung befördert zu werden. Ein Upgrade in jeglichem Sinne also! Doch davor sollte man sich hüten! Schließlich will man ja entrümpeln.

Dann gibt es die Kategorie „Bloß weg damit!“ Die ist schön, die mag ich! Keine weiteren Fragen, keine Überlegungen. Das macht Spaß!

Und dann die Kategorie „Mist! Ich hab‘ einfach keine Ahnung!“. Die ist fies und niederträchtig! Fallen einem Gegenstände dieser Art vor die Füsse, hat das schlagartig einen lähmenden Prozess auf die gesamte Aufräumaktion! Man schaut frustriert auf den Besitz, läßt unter einem fast lautlosen Säufzer die Schultern sinken und anschliessend seinen gesamten Körper, plumst schwerfällig auf das letzte freie Stück Koffer, Kiste oder Stuhl und starrt erschöpft und überfordert auf das Chaos um einen herum.

Na toll! Ich versuche mich dann schnell aus dem Staub zu machen, geht aber nicht. Also gönne ich mir eine kurze Pause – esse was, schaue fern, lese Zeitschrift. Irgend eine Ablenkung findet sich immer. Dann schleiche ich zurück an den Schauplatz des Verbrechens, raffe alles zusammen und stopfe es wahllos an seinen alten Ort zurück. Die oberflächliche Ordnung wäre wieder hergestellt, um den Rest kümmern wir uns ein andermal!

Nun kommt mir die Überlegung, dass Kategorie 3 nach der letztens von mir erdachten Strategie gar nicht existieren dürfte! Entweder es ist nützlich/ich mag es, dann gehört es zu „Auf keinen Fall wegwerfen! Unbedingt behalten!“ oder es ist bedeutungslos und käme zu „Bloß weg damit!“.

Aber anscheindend ist es nicht so einfach. Was mache ich denn dann mit Mensch-ärger-dich-nicht, Abalone und Outburst? Braucht man die noch? Sind die noch zeitgemäß? Spieleabende! Puuuuhhhhh… dazu fällt mir seit Jahren die Geduld und Stimmung. Ich will lieber quatschen! Aber man weiß ja nie, irgendwann mal, an einem kalten Novemberabend, da hat man vielleicht doch wieder Bock drauf?

Muss ich sie etwa doch akzeptieren, die kleinen Grauzonen in Keller und Schränken? In meinem Leben? Vielleicht doch ein paar davon!

tiny up!

tidy_up

Ich bin ein bisschen beschämt! Habe ich mich doch soeben noch durch Homepages geklickt, auf denen Leute ihre 20-qm-Wohnung präsentierten – exakt strukturiert, clean und irgendwie trotzdem kuschelig. Und ich denke an meinen gestrigen Besuch, der kam unvorhergesehen. Nach drei Tagen gefühlten 40 Grad sah die Wohnung leider ziemlich unordentlich aus! Ungespülte Töpfe in der Küche, ein Berg Zeitschriften und Bücher verstreut im gesamten Wohnzimmer und nicht einmal Matratzen auf dem Bett! (Die wurden aufgrund der heißen Nächte nämlich auf den Balkon ausquartiert) Es sei erwähnt, dass das nur ein kleiner Auszug meiner gestrigen Unordnung ist. Aber bei 40 Grad schleppe ich mich einfach nur noch lethargisch durch die Wohnung.

Jedenfalls bin ich sehr beeindruckt von all der eben online erlebten Ordnung und fragte mich kurz, warum ich denn nicht eine derart kleine Wohnung mit sooo viel Raum haben kann.

Mmmhhh, kann ich das nicht sogar?  Sollte ich mich nicht vielmehr einfach nur auf das wesentliche konzentrieren? Ausmisten! Wegschmeißen! Sich wieder frei machen! In den eigenen 4 Wänden! Im Kopf!

Unser Platz ist kostbar! Es stellt sich die Frage. „Was brauchen wir WIRKLICH?“ Was ist wichtig, was zusätzlicher Luxus und was nicht auch nur einfach Ramsch? Vielleicht sollte der „Inhalt der Wohnung“ stärker hinterfragt werden! Welche Dinge sind uns wichtig, weil sie einen hohen Nutzen haben, Erinnerung bedeuten und uns glücklich machen? Ein nie benutzter Pürierstab im knapp bemessenen Küchenschrank? Das tief vergrabene Geschenk, das den eigenen Geschmack nicht traf, aber aus Anstand noch nicht aussortiert ist? Die fünfte nichts-sagende Vase von Ikea?

Ist es möglich, einen Hausstand nur aus „positiven Emotionen“ zusammenzusetzen? Aus Gegenständen, für die wir uns bewusst entschieden haben oder die uns einfach Freude bereiten? Und dann all das unnütze Zeugs, dass bedeutungslos unseren wertvollen Lebensraum in Anspruch nimmt, verbannen. Erst dadurch erhält unsere Wohnung doch wirklich Individualität, ist unser sprichwörtliches Spiegelbild! Ein Ort, an dem wir nicht zu uns finden müssen, sondern an dem wir bei uns sind! Weil er ja „ich“ ist!

So, let’s tidy up! Oder besser „tiny up!“