(Lieblings-)Frage-Foto-Freitag #6

titelmit stadtbude

Oh man, das ist bisher mein absoluter Lieblings-Frage-Foto-Freitag! Kann sein, dass es daran liegt, weil die Heizung heute zum ersten Mal wieder angeworfen wurde und es draussen regnet. Dicken, fiese, kalte Tropfen! Der Wind ist frisch, die Blätter fallen und das unfreiwillige Pfützen springen vorhin hat meine Sneaker komplett durchnässt. Mist, tatsächlich ist er doch gekommen. Der Herbst! Grrrrr….

Nun gut, wenn Se schon mal da sind, dann komm’Se doch auch gleich rein, Herr Herbst! Ab auf’s Sofa mit Ihnen! Dazu eine Kuscheldecke, ein Heißgetränk und ein Buch! Ja!

Noch ein paar Leseempfehlungen gewünscht? Wie gut, dass Steffi heute wissen will, was unsere 5 Lieblingsbücher sind. Ich kann mich da kaum entscheiden, habe auch mal ein paar mehr rausgesucht. Dafür aber nur 2 Fotos heute, damit das auch übersichtlich bleibt. Hihi…

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Meine Helden sind oftmals einsame Streuner. Sie streifen durch die Stadt – äusserlich oft schwerfällig und müde, innerlich voller Widersprüche und Unruhe. Oftmals auf der Suche, voller Abgründe oder Sehnsucht. Für den Leser meist ein nicht ganz klar zu fassendes, diffuses Gefühl – aber trotz allem irgendwie vertraut und nah.

Wie zum Beispiel Franz Biberkopf, der Protaginist in  Berlin Alexanderplatz – Alfred Döblin. Frisch aus dem Strafvollzug entlassen (sass wegen Totschlags) schlägt er sich nun im Berlin der 20er Jahre durch, auf der Suche nach seiner selbst und dem großen Leben.

Bei manchen Büchern kommt man sich selbst näher. Der Leerraum zwischen den Zeilen produziert plötzlich unaufgefordert Fragen, die man sich nie gestellt hätte, die aber eine ganzes Universum zu beinhalten scheinen. Irgendwann ist dann Schluss, letzte Seite, aus, vorbei. Aber irgendwie auch nicht. Nur das Buch ist am Ende, aber in einem drinnen scheint sich eine Unendlichkeit aufgetan zu haben.

Zwei „bewußtseins-erweiternde“ Bücher, die ich wirklich, wirklich großartig finde sind Hermann Hesse – Der Steppenwolf und Haruki Murakami – Tanz mit dem Schafsmann 

Ich glaube, Murakami liebt man oder findet ihn ganz fürchterlich! Ich liebe ihn! „Tanz mit dem Schafsmann“ ist ein unbeschreibliches Buch. Von mir in Büchern geschätzte Nüchternheit, die gut eingesetzt eine tolle Intensität erzeugen kann, ist hier nicht mehr zu finden. Mit Murakami fliegt man fast im wahrsten Sinne des Wortes in andere Sphären. Es ist ein bisschen wie vor 15 Jahren nach dem Kinobesuch von „Matrix“ – auf einmal ist man sich nicht mehr sicher, was „Wirklichkeit“ ist.

Rätselhaft, bedrückend und gleichzeitig faszinierend ist auch Albert Camus – Die Pest. Der Roman beschreibt in chronologischer, fast dokumentarischer Erzählweise das Ausbrechen der Seuche in der algerischen Stadt Oran und den damit einhergehenden physischen, psychischem und auch moralischen Zerfall der Bevölkerung.

J.D. Salinger – Der Fänger im Roggen In Holden, heranwachsender Protagonist des Buches, erkennt man immer auch sich selbst. Mit ihm lacht man und mit ihm weint man, im wahrsten Sinne des Wortes. Genervt von gesellschaftlichen Spielregeln, rebellierend, und doch auf der Suche nach einem festen Platz. Holden wird schnell nicht nur zum „vertrauten Freund“, sondern zum eigenen Ich.

Zola – Die Beute Ich liebe Zola! Ganz anders als die vorher vorgestellten Bücher, findet sich hier eine reiche, satte Sprache mit bunten, prächtigen Bilden. Man taucht ab in eine Welt voller Opulenz und Schönheit. Das Buch ist ein Teil eines mehrteiligen Zyklus‘ über Leben, Liebe, Aufstieg und Fall der Familie Rougon.

Und noch zwei Empfehlungen für’s Auge:

Will Eisner – the contract with god. Graphic Novel mit 4 Geschichten über eine Mietskaserne im New York der 30iger Jahre mit großartigen schwarz-weiß Zeichnungen. Will Eisner ist praktisch der Urvater des Comics und seine Werke Klassiker.

Banksy – Wall and Piece: Bildband mit vielen Arbeiten von Banksy. Wie auch alle oben genannten Bücher mit Themenschwerpunkt „Stadt“ und gesellschaftskritischem Standpunkt.

So, die Fotos mögen schnell geschossen gewesen sein, dafür brauchte heute aber der Text wesentlich länger. Aber ich habe gleich richtig Lust auf die Bücher bekommen. Ich denke, da werde ich mir einige mal wieder von denen vorknöpfen.

Wie hieß es doch gleich? „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bücher?“ oder so ähnlich… Also, dann! Ein wunderbares Herbst-Wochenende! Ich mache mir jetzt einen Tee…

 

P.S. weitere Empfehlung zur „Stadt-Literatur“ Paul Auster – Stadt aus Glas

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4 thoughts on “(Lieblings-)Frage-Foto-Freitag #6

  1. missmenke

    Ich bin jetzt so gespannt auf „Tanz mit dem Schafsmann“! Und übrigens, ich finde das Bücher/Leuchte-Foto in deinem anderen Post sehr gelungen. Schönes Wochenende! :-)

    • kristin

      Wirklich? Das freut mich sehr und kannst du auch sein. Ich hoffe du wirst es genauso lieben! Es ist oft sehr surreal, aber großartig. Ich muss nachher mal eure Antworten durchgehen, um mir auch Empfehlungen für neue Herbstlektüre zu holen! Danke wegen des Bücher-Leuchten-Fotos. Dafür habe ich auch schon eine Verwendung. Schönes Wochenende!

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