„Ach, kommse doch ein bisschen näher!“

s-bahn

Öffentliche Verkehrsmittel sind ja so eine Sache! Intime Distanzzonen sind plötzlich vollkommen aufgehoben und glücklich ist der, der gerade in Stoßzeiten noch einen Sitzplatz ergattern konnte. Hier beschränkt sich die körperliche Nähe meist auf Knie-an-Knie-Berührungen mit dem Gegenüber. Und das empfindet man in einer vollgestopften Bahn schon als echte Freiheit!

Ich find’s ja eigentlich sehr schade! Ich hatte schon viele lustige Erlebnisse in der Bahn und wenn ich jetzt darüber schreibe, könnte ich mich wieder weg hauen vor Lachen. Ich bin da auch etwas anders, als die anderen. Glaube ich. In diesen Situationen, in denen mir was lustiges und peinliches passiert, lache ich vollends los. Ich sehe mich praktisch von aussen, wie in einem Film, und schmeiße mich weg, während die meisten anderen eisern bei ihrer eingefrorenen Miene bleiben oder im besten Fall verwirrt aus der Wäsche schauen (was zumindest mal überhaupt eine Gefühlsregung ist!).

So habe ich es einmal geschafft, während sich die Türen der U-Bahn schon schlossen, durch die Tür nach drinnen zu springen und mich, aufgrund meiner nassen Sneaker-Sohlen, im Landeanflug  auf den Allerwertesten zu setzen.  Meine Tasche hing eingeklemmt zwischen den Türen und ich lag auf dem Boden, mit einer Hand den Taschengurt noch fest umklammert. Schon zogen panisch drei Menschen an mir und meiner Tasche. Ich hingegen starrte aus meiner Froschperspektive in die weit aufgerissenen Augen der umstehenden Meute und konnte mich nicht mehr halten vor lachen. Noch bis ich 10 Minuten später aussteigen musste, hatte ich mich nicht wieder gefangen. Ein ähnliches Szenario, als ich in meiner Verträumtheit beim Einsteigen mal zwischen Bahn und Bahnsteig trat und mit einem Bein in den Zwischenraum rutschte. Da hing ich nun! Sechs Arme zerrten aufgeregt an mir, während ich mich schlapp lachte.  Mein Oberschenkel sah Wochen später noch aus, als wäre die Bahn halb drüber gefahren. „Please mind the gap!“ Was für eine Irre, mögen sich die Leute jedes Mal gedacht haben!

Dann habe ich mal meinem Nebenmann eine dicke Ladung Handcreme auf sein schickes Jackett gespritzt. Während ich an meiner mit etwas Luft gefüllten Handcreme-Tube drückte um meine rissige Winterhaut zu pflegen, gab’s diesen kleinen Tuben-Furz (dafür ist mir kein bekanntes Wort geläufig. Aber jeder weiß so, was ich meine). Schwups, lag die Wurst aus Creme auf dem Ärmel des schon vorher leicht verkniffen wirkenden Herren. Ich zückte in Seelenruhe ein Taschentuch und rieb ohne Worte, nur vor mich hin glucksend, die Creme weg. Von Seiten des Herren kein Kommentar!

Eine meiner besten Einlagen ereignete sich in der Strassenbahn. Ich hatte einen Sitzplatz und mir gegenüber sass ein Pärchen. Rumpelnd und Pumpelnd fuhr die Bahn über die Gleise, als sie meine Haltestelle erreichte. Inmitten meiner Aufstehbewegung – mein Oberkörper befand sich bereits leicht nach vorn gebeugt, mein Hintern hatte sich vom Sitz gelöst – gab es wieder einen anständigen Ruck und ich plumpste kopfüber mit meinem Gesicht direkt in den Schoß des mir gegenüber sitzenden Herren. An seinen Oberschenkeln fest klammernd, musste ich mich wieder aus der misslichen Lage befreien. Wieder der bekannte Lachanfall und die völlig pikierten Gesichter der beiden gegenüber. Ich gebe zu, dass es gerade diese Gesichter sind, weshalb ich mein Lachen jedes Mal kaum mehr unter Kontrolle bringen kann.

Gestern hatte ich wieder eine ähnlich Situation. Wieder in der Tram, nur diesmal eine ältere Dame. Und diesmal haben wir beide herzhaft und gelöst gelacht und während der kaum mehr als fünf minütigen Fahrt hatten wir ein sehr fröhliches und unterhaltsames Gespräch. Ich habe in der kurzen Zeit viel über Strassenbahnen in Lissabon, den Job ihres Sohnes, den ihrigen und das Leben ihrer Enkel erfahren. Und ich gebe zu, es war nicht wie ein auferlegtes Gespräch im Wartesaal des Arztes. Es war lustig! Und dann stieg ich aus und fragte mich, warum das denn nicht öfter mal so sein kann. Warum schaut denn jeder so verkniffen in sein Telefon, statt mal das wahr zu nehmen, was so um einen rum passiert? Man verpasst doch auch so viel!

Deshalb mal mein Motto für diese Woche: „Ach, kommse doch ein bisschen näher!“

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5 thoughts on “„Ach, kommse doch ein bisschen näher!“

  1. meewendy

    Ach du liebe Zeit, was dir alles in Bahn und Bus passiert! Ich fahre schon seit Jahren wieder Rad bzw. Auto (glücklicherweise!) und daher kann ich solche Geschichten (wieder glücklicherweise) nicht zum Besten geben.
    Aber ich finds gut, dass du es mit Humor nimmst!
    LG, Sarah
    http://meewendy.de

  2. Schwester❤

    ❤❤❤❤
    Sitze grad in der S-Bahn von Essen nach Bochum und die Leute starren mich schon alle an, weil ich gackernd auf mein Handy schaue… 😆
    Ich stelle mir das alles gerade bildlich vor, und komme aus dem glucksen nicht mehr raus!!
    Aber sind wir mal ehrlich zu einander: Solche Sachen passieren auch nur dir!! Und war das eigentlich bevor oder nachdem du dich bekleckert hast?? 😜
    ❤❤❤❤

    • kristin

      Hahahahaaaaaa… wahrscheinlich davor, danach und während! :-P Also, wenn du eh gerade in der S-Bahn sitzt, dann probier’s doch alles mal aus. man muss sich nur darauf einlassen, dann macht das richtig Spaß! Und die Leute gucken doch eh schon, dann gibt denen mal ein bisschen mehr Stoff!

  3. berlinmetropolis

    Weil Berlin so ist :) Verklemmt und anonym.
    Schöne Story, so extrem sind mir die Sachen nicht passiert, aber von einklemmenden Armen, in Türen hängenden Taschen kann ich auch ein Lied singen :)
    Hab jedenfalls herzhaft über Dein Posting lachen können. Vielleicht begegnen wir uns ja auch mal in der Bahn :D

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